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Projekt Klassikerwortschatz |
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Projektbeschreibung und aktueller ArbeitsstandWas dem Wissenschaftler, dem Studenten, dem Schüler und allen anderen Lesern der »Klassiker« der deutschsprachigen Literatur des 18. und 19. Jahrhunderts bis heute fehlt, ist ein verläßliches und handhabbares Wörterbuch für diejenigen Wörter und Wortbedeutungen, die heute nicht mehr (selbst-)verständlich sind, früher aber gebräuchlich waren. Ein Klassikerwörterbuch für diesen Differenzwortschatz, wie es mit dem »Dictionnaire du français classique« für die klassische französische Literatur des 17. Jahrhunderts bereits existiert, ist das Ziel des »Projekts Klassikerwortschatz«.
Die Erstellung eines Wörterbuches
kann sich am Ende des 20. Jahrhunderts allerdings nicht mehr ausschließlich
auf ein gedrucktes Nachschlagewerk beschränken. Vielmehr müssen
die elektronischen Medien im Rahmen ihrer noch weiter zu entwickelnden
Möglichkeiten in ein solches Projekt einbezogen werden. Die Vorstellung
des Projektes und seiner Grundlagen im Internet stellt einen allerersten
Schritt in diese Richtung dar.
Klassikertexte heuteÄltere Texte sind keinesfalls selbstverständlich oder selbsterklärend, die Lektüre ist oft irritierend und anstrengend. Dies liegt zum einen daran, daß der historische Abstand von rund 200 Jahren in der realen Umwelt Spuren hinterlassen hat, so daß vieles, was dem Autor, seinen Figuren und den zeitgenössischen Rezipienten selbstverständlicher Alltag war, vom heutigen Leser mühsam als historisches Hintergrundwissen gelernt werden muß. Aber selbst wenn auf der Sachebene die meisten Fragen beantwortet sind, bleiben die Texte oft rätselhaft oder mißverstanden. Der Grund liegt im Sprachwandel. Sprache wandelt sich ständig und hat sich von 1800 bis heute in einem solchen Umfang geändert, daß Vieles in den älteren Texten vom heutigen Sprachgebrauch her nicht mehr unmittelbar verstanden werden kann.
Um diesem Problem abzuhelfen, gibt es bereits seit Langem viele klassische Werke
der deutschen Literatur in kommentierten Ausgaben bzw. für den schulischen
Unterricht Material- und Begleithefte. Diese Hilfsmittel versuchen, drei
Ziele zu erfüllen: Worterklärung, Sacherklärung und
Erläuterung des historisch-biographischen Hintergrunds mit Verweisen
auf mögliche Interpretationsansätze. Die Auswahl der
Worterklärungen der meisten Kommentare und Begleithefte erweist sich
bei genauerer Prüfung jedoch zu oft als beliebig und unzureichend. Das
hat mehrere Gründe:
Kategorisierung des KlassikerwortschatzesDie Kommentierungspraxis geht natürlich über den reinen Wort(bedeutungs)kommentar weit hinaus. Aber gerade dem Phänomen des Sprachwandels wird bislang leider nur in ungenügendem Maße Rechnung getragen. Denn dieser produziert - grob gesagt - drei Kategorien von Wörtern, die dem heutigen Leser (bewußte und nicht bewußte) Verständnisprobleme bereiten:
Wenn die Wörter der beiden letzten Kategorien (Beispiele siehe hier) in den Kommentaren nur selten erläutert werden, so liegt dies aber nicht nur an den oben genannten Gründen. Bevor ein Kommentator etwas kommentieren kann, muß ihm selbst der Sprachwandel überhaupt bewußt geworden sein. Daß dies auch bei gestandenen Literaturwissenschaftlern nicht selbstverständlich ist, beruht auf der wissenschaftshistorischen Entwicklung der Germanistik. War sie in ihren Anfängen annähernd zeitgenössisch zur Literatur der Klassiker, so daß die Verständnisprobleme noch nicht bedeutend waren, so hat sie seitdem eine eigene Dynamik des Verstehens und der Verständigung darüber entwickelt, bei der die mögliche Fremdheit der Texte eine geringe Rolle spielt.
Die bisherige historische WortforschungEs wäre eine der Aufgaben der historischen Wortforschung, die scheinbar simplen Fragen eines Lesers älterer Dichtungen -- Verstehe ich eigentlich, was ich da lese? oder Soll bzw. kann die Textstelle das bedeuten, was ich zu verstehen glaube? -- zu beantworten. Dabei wäre außerdem zu beachten, daß vor allem im 18. Jahrhundert die Sprache der Dichter noch nicht vorrangig eine selbstbezügliche Literatursprache ist, sondern stärker im Sprachgebrauch der Zeitgenossen wurzelt als später. Die Vorarbeiten zum Wortschatz der Klassiker im Rahmen des Gebrauchswortschatzes ihrer Zeit sind jedoch dünn gesät. Die bisher erschienenen Darstellungen des Wortschatzes im 18. (und 19.) Jahrhundert konzentrieren sich mit Blick auf die heutige Sprachsituation ganz auf die zukunftsweisenden Neuerungen (Neologismen) der Zeit. Die großen Wörterbücher der deutschen Sprache (Duden, Brockhaus-Wahrig, Paul) geben über historische Wortschätze nur sporadische Auskünfte, die außerdem nicht in jeder Hinsicht verläßlich sind. Das »Deutsche Wörterbuch« der Brüder Grimm bietet zwar eine Fülle historischer Belege und Bedeutungen, aber die fast 150jährige Entstehungsgeschichte und die labyrinthische Anlage des Werkes machen es zu einem sehr mühsamen und nur bedingt tauglichen Hilfsmittel für konkrete historische Fragestellungen.
Da die wichtigsten und umfangreichsten zeitgenössischen
Wörterbücher (Adelung, Campe) ganz dem aufklärerischen Programm
der Nationalsprachenbegründung folgen und deshalb vor allem den
progressiven Wortschatz erläutern, werden Wörter, die
z.B. von Goethe ganz normal verwendet werden, als veraltet
gekennzeichnet oder gar nicht mehr registriert, obwohl sie, wie wir aus unseren
bisherigen Erkundungen wissen, auch von den späteren Romantikern durchaus
noch verwendet werden. Daraus folgt, daß der berechtigte Wunsch nach
dem authentischen Verständnis unserer Klassiker vom einfachen Leser
gar nicht und vom Fachmann nur unter großen Mühen zu verwirklichen
ist, da die bisherige Wissenschaftsentwicklung die systematische
Erschließung des Klassikerwortschatzes unter dem Gesichtspunkt des
damals gültigen Verständnisses nicht ergeben hat.
»Klassikerwörterbuch« und StellenkommentarBei aller geäußerten Kritik an den Kommentaren kann und soll ein Wörterbuch, das den Wortschatz einer Epoche erläutert, nicht den Stellenkommentar der Einzelwerke ersetzen oder gar übertrumpfen. Wo letzterer das besondere einer Stelle auch in Bezug auf das Gesamtwerk eines Autors in den Vordergrund stellen muß, bleibt das Wörterbuch allgemein und versucht, die Grundbedeutung(en) eines Wortes herauszuarbeiten, aus denen mögliche autorspezifische Bedeutungsvarianten abgeleitet werden können. Das Wörterbuch soll existierende Stellenkommentare also an wichtigen Stellen ergänzen und künftigen Kommentatoren und heutigen Lesern schnell und kompakt die Hinweise geben, die sie brauchen, um einen Klassikertext angemessen verstehen zu können. Das Arbeitsverfahren beim »Projekt Klassikerwortschatz«Abgeschlossene Arbeitsschritte
Weitere Arbeitsschritte
Die auszuwertenden TexteAlle im 18. und 19. Jahrhundert erschienenen Texte sind inzwischen historisch und deshalb erklärungsbedürftig. Da aber niemand das ganze Schrifttum dieser Zeit sichten oder gar erläutern kann, ist eine begründete Auswahl unumgänglich. Worte wie klassisch oder Klassiker scheinen eine Begründung für eine solche Auswahl zu liefern. Wie die Reaktion auf die just zum Zeitpunkt unserer Korpuszusammenstellung wieder von der Wochenzeitschrift DIE ZEIT initiierte Kanondiskussion aber gezeigt hat, ist eine an qualitativ-inhaltlichen Kriterien orientierte Debatte über die klassischen und damit grundlegenden Werke der deutschen Literatur ebenso reizvoll wie endlos. Tatsächlich macht ein Wörterbuch über Texte, die nur wenigen Fachleuten lieb und teuer sind, unabhängig von ihrer literarischen Qualität oder zeitgenössischen Bedeutung wenig Sinn. Für ein an den Bedürfnissen der Klassiker-Konsumenten orientiertes Wörterbuch kann dessen Textkorpus nur anhand der heutigen Rezeption der Werke gebildet werden. Als ein immer noch sicherer Maßstab für die Gängigkeit literarischer Texte haben sich die Lektürepläne der Kultusministerien für das Fach Deutsch und die in den letzten Jahren wieder häufiger gewordenen Leselisten für das universitäre Germanistikstudium erwiesen. Die in der alljährlich erscheinenden »Werkstatistik des Deutschen Bühnenvereins« veröffentlichten Besucherzahlen und die Klassikerprogramme bei den Publikumsverlagen haben diesen Schul- und Universitätskanon bestätigt. Das Ergebnis unserer Auswertung sowie deren Quellen erfahren Sie hier. Das Projekt hat den Wortschatz des so ermittelten Textkorpus mit allen vom heutigen Gebrauch abweichenden (historisch gewordenen) Bedeutungen - soweit möglich - vollständig erfaßt. Für das Wörterbuch ist es allerdings notwenig, eine begründete Auswahl zu treffen. Natürlich wird damit aber auch der erklärungsbedürftige Wortschatz anderer Werke dieses Zeitraums weitgehend erfaßt, so daß das Wörterbuch auch für deren Lektüre sinnvoll genutzt werden kann.
Der Klassikerwortschatz in der universitären LehreDas Klassikerwörterbuch richtet sich ausdrücklich nicht nur an Schüler und Studenten. Vielmehr wird eine breit gefächerte Benutzergruppe angesprochen. Dies ist schon durch die sehr heterogene Zusammenstellung der beiden Lesegruppen (Laien und Literaturwissenschaftler) gewährleistet. Für Lernende ergeben sich jedoch besondere Probleme bei der Klassikerlektüre, die nicht unterschätzt werden dürfen. Aus der simplen, aber offensichtlich nicht selbstverständlichen Feststellung, daß diese Texte aufgrund des Sprachwandels nicht einfach zu verstehen sind, erlangen sie eine ganz neue Dimension: Sie verlieren ihre in der geistesgeschichtlichen Tradition verankerte Monumentalität und werden als Gegenstand eigener Frageinteressen wieder zugänglich, vor allem wenn sich die herkömmlichen Hilfsmittel relativ schnell als ungenügend erweisen. Die Erprobung dieses Lektüreansatzes in der universitären Lehre hat sich als äußerst erfolgreich erwiesen. Statt sich beim Literaturverständnis auf lückenhafte Kommentare und das sprachliche Alltagsverständnis zu verlassen, wurden die Studenten aufgefordert, nach den historischen Wurzeln des Wortgebrauchs in den klassischen Texten zu fahnden. Die damit verbundenen überraschenden und erhellenden Aha-Erlebnisse bedeuten für Studierende - und Lehrende - eine völlig neuartige Motivation im Umgang mit diesen Texten. Diese Entdeckerfreude hat sich inzwischen in über 50 Stichprobenstudien an ausgewählten Werken des 18. und beginnenden 19. Jahrhunderts (darunter mehrere Magisterarbeiten) manifestiert. Im Fortgang und der Weiterentwicklung des »Projektes Klassikerwortschatz« sind die Studierenden an die Nutzung der im Rahmen des Projektes entwickelten und anderer Hilfsmittel herangeführt worden. Eine Kooporation mit Lehrenden und Studierenden anderer Universitäten wird im Rahmen der Entwicklung der infrastrukturellen Möglichkeiten angestrebt. Der Klassikerwortschatz im ComputerzeitalterDie Grundlage der historischen Wortforschung war bisher die einzelne, vorrangig durch Fleiß und Zufall ermittelte Fundstelle. Als zusätzliche Hilfsmittel dienten die großen Wörterbücher des Deutschen. Jetzt bietet die Computertechnologie die revolutionär zu nennende Möglichkeit, elektronisch lesbare Texte jederzeit vollständig nach bestimmten Wörtern durchsuchen zu lassen, so daß die durch herkömmliche Lektüre an einzelnen Stellen gewonnenen Bedeutungen sogleich an einem elektronischen Vergleichskorpus überprüft und gewichtet werden können. Es wurden deshalb im Rahmen des »Projekts Klassikerwortschatz« einschlägige e-Texte (elektronisch erfaßte Texte) gesichtet und gesammelt, um so eine abfragbare Datenbasis zu erhalten, die weit über das vom Wörterbuch vollständig erfaßte Textkorpus hinausgehen wird. Damit die zur Zeit elektronisch verfügbaren Texte wissenschaftlich nutzbar (d.h. vorrangig zitierbar bzw. auf gedruckte Ausgaben beziehbar) werden konnten, waren folgende Arbeitsschritte nötig:
Ein Projekt, wie das hier vorgestellte, kann sich also nicht mehr allein auf das Medium Buch als Arbeits- und Verbreitungsgrundlage stützen, sondern es muß sowohl die Möglichkeiten der elektronischen Erfassung und Verarbeitung von Texten als auch die Kommunikationswege der neuen Medien (WWW, E-Mail) fruchtbar nutzen. Unser Ziel ist deshalb nicht allein ein Wörterbuch, sondern die Internetschnittstelle des Projektes, an der Sie sich gerade befinden, soll ein integraler Bestandteil des Forschungsunternehmens »Klassikerwortschatz« werden. Alle Inhalte, die das gedruckte »Klassikerwörterbuch« einmal enthalten wird, sollen medienspezifisch (z.B. durch eine Datenbank) aufbereitet und über das Internet abgefragt werden können. Die vielleicht wichtigste Rolle kommt dem Internet bei der Kommunikation zwischen den Machern und den Nutzern des »Klassikerwörterbuches« zu. Nutzen Sie unser Angebot und schreiben Sie uns ihre Erwartungen und Anregungen zu unserem Projekt. Auch können Sie auf verschiedene Weise zum Gelingen des Projektes beitragen. Beispielartikel
An dieser Stelle finden Sie einige Beispielartikel, die ihnen einen
ersten Eindruck vom Aussehen des Klassikerwörterbuchs vermitteln sollen.
Das endgültige Layout ist allerdings noch nicht festgelegt,
entsprechend sehen auch nicht alle Beispielartikel gleich aus. Dies betrifft
unter anderem die Auszeichnung von Objektsprache, die zum Teil ungleichmäßig ist,
zum Teil aufgrund der Auszeichnungsmodalitäten im Redaktionssytem bei
dieser Form der Ausgabe nicht abgebildet wird.
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