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Projekt Klassikerwortschatz

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Projektbeschreibung und aktueller Arbeitsstand

Was dem Wissenschaftler, dem Studenten, dem Schüler und allen anderen Lesern der »Klassiker« der deutschsprachigen Literatur des 18. und 19. Jahrhunderts bis heute fehlt, ist ein verläßliches und handhabbares Wörterbuch für diejenigen Wörter und Wortbedeutungen, die heute nicht mehr (selbst-)verständlich sind, früher aber gebräuchlich waren. Ein „Klassikerwörterbuch“ für diesen Differenzwortschatz, wie es mit dem »Dictionnaire du français classique« für die klassische französische Literatur des 17. Jahrhunderts bereits existiert, ist das Ziel des »Projekts Klassikerwortschatz«.

Die Erstellung eines „Wörterbuches“ kann sich am Ende des 20. Jahrhunderts allerdings nicht mehr ausschließlich auf ein gedrucktes Nachschlagewerk beschränken. Vielmehr müssen die elektronischen Medien im Rahmen ihrer noch weiter zu entwickelnden Möglichkeiten in ein solches Projekt einbezogen werden. Die Vorstellung des Projektes und seiner Grundlagen im Internet stellt einen allerersten Schritt in diese Richtung dar.



Klassikertexte heute

Ältere Texte sind keinesfalls selbstverständlich oder selbsterklärend, die Lektüre ist oft irritierend und anstrengend. Dies liegt zum einen daran, daß der historische Abstand von rund 200 Jahren in der realen Umwelt Spuren hinterlassen hat, so daß vieles, was dem Autor, seinen Figuren und den zeitgenössischen Rezipienten selbstverständlicher Alltag war, vom heutigen Leser mühsam als historisches Hintergrundwissen gelernt werden muß. Aber selbst wenn auf der Sachebene die meisten Fragen beantwortet sind, bleiben die Texte oft rätselhaft oder mißverstanden. Der Grund liegt im Sprachwandel. Sprache wandelt sich ständig und hat sich von 1800 bis heute in einem solchen Umfang geändert, daß Vieles in den älteren Texten vom heutigen Sprachgebrauch her nicht mehr unmittelbar verstanden werden kann.

Um diesem Problem abzuhelfen, gibt es bereits seit Langem viele klassische Werke der deutschen Literatur in kommentierten Ausgaben bzw. für den schulischen Unterricht Material- und Begleithefte. Diese Hilfsmittel versuchen, drei Ziele zu erfüllen: Worterklärung, Sacherklärung und Erläuterung des historisch-biographischen Hintergrunds mit Verweisen auf mögliche Interpretationsansätze. Die Auswahl der Worterklärungen der meisten Kommentare und Begleithefte erweist sich bei genauerer Prüfung jedoch zu oft als beliebig und unzureichend. Das hat mehrere Gründe:

  1. der Raum, der für den Kommentar vorgesehen ist, ist immer begrenzt;
  2. Art um Umfang des erklärungsbedürftigen Wortschatzes sind dem kommentierenden Literaturwissenschaftler nicht bekannt,
  3. zudem sind die Verständnisprobleme, die ein historischer und darüber hinaus literarischer Text aufwirft, abhängig vom Bildungsstand und den Lesegewohnheiten individuell höchst verschieden,
  4. weshalb oft nur auffällige „Problemwörter“ in den Genuß einer Erklärung kommen wie Fremdwörter, ausgestorbene Wörter (Archaismen) oder eindeutig dialektale Formen.

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Kategorisierung des Klassikerwortschatzes

Die Kommentierungspraxis geht natürlich über den reinen Wort(bedeutungs)kommentar weit hinaus. Aber gerade dem Phänomen des Sprachwandels wird bislang leider nur in ungenügendem Maße Rechnung getragen. Denn dieser „produziert“ - grob gesagt - drei Kategorien von Wörtern, die dem heutigen Leser (bewußte und nicht bewußte) Verständnisprobleme bereiten:

  1. unbekannte Wörter, die jedem Leser sofort auffallen und teilweise in den Kommentaren auch erläutert werden,
  2. „ungewöhnliche“ Wörter, die der Leser zwar schon gehört hat oder selbst verwendet, die ihm im Zusammenhang der Textstelle allerdings seltsam erscheinen und bestenfalls in Umrissen verstanden werden, und die
  3. amis faux, also die „falschen Freunde“, die der Leser spontan zu verstehen glaubt, die aber dennoch einen signifikanten Bedeutungswandel durchlaufen haben, so daß erst die Rekonstruktion der historisch gewordenen Bedeutung den gemeinten Sinn der Stelle ergibt.

Wenn die Wörter der beiden letzten Kategorien (Beispiele siehe hier) in den Kommentaren nur selten erläutert werden, so liegt dies aber nicht nur an den oben genannten Gründen. Bevor ein Kommentator etwas kommentieren kann, muß ihm selbst der Sprachwandel überhaupt bewußt geworden sein. Daß dies auch bei gestandenen Literaturwissenschaftlern nicht selbstverständlich ist, beruht auf der wissenschaftshistorischen Entwicklung der Germanistik. War sie in ihren Anfängen annähernd zeitgenössisch zur Literatur der Klassiker, so daß die Verständnisprobleme noch nicht bedeutend waren, so hat sie seitdem eine eigene Dynamik des Verstehens und der Verständigung darüber entwickelt, bei der die mögliche Fremdheit der Texte eine geringe Rolle spielt.

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Die bisherige historische Wortforschung

Es wäre eine der Aufgaben der historischen Wortforschung, die scheinbar simplen Fragen eines Lesers älterer Dichtungen -- „Verstehe ich eigentlich, was ich da lese?“ oder „Soll bzw. kann die Textstelle das bedeuten, was ich zu verstehen glaube?“ -- zu beantworten. Dabei wäre außerdem zu beachten, daß vor allem im 18. Jahrhundert die Sprache der Dichter noch nicht vorrangig eine selbstbezügliche Literatursprache ist, sondern stärker im Sprachgebrauch der Zeitgenossen wurzelt als später. Die Vorarbeiten zum Wortschatz der Klassiker im Rahmen des Gebrauchswortschatzes ihrer Zeit sind jedoch dünn gesät. Die bisher erschienenen Darstellungen des Wortschatzes im 18. (und 19.) Jahrhundert konzentrieren sich mit Blick auf die heutige Sprachsituation ganz auf die zukunftsweisenden Neuerungen (Neologismen) der Zeit. Die großen Wörterbücher der deutschen Sprache (Duden, Brockhaus-Wahrig, Paul) geben über historische Wortschätze nur sporadische Auskünfte, die außerdem nicht in jeder Hinsicht verläßlich sind. Das »Deutsche Wörterbuch« der Brüder Grimm bietet zwar eine Fülle historischer Belege und Bedeutungen, aber die fast 150jährige Entstehungsgeschichte und die labyrinthische Anlage des Werkes machen es zu einem sehr mühsamen und nur bedingt tauglichen Hilfsmittel für konkrete historische Fragestellungen.

Da die wichtigsten und umfangreichsten zeitgenössischen Wörterbücher (Adelung, Campe) ganz dem aufklärerischen Programm der Nationalsprachenbegründung folgen und deshalb vor allem den „progressiven“ Wortschatz erläutern, werden Wörter, die z.B. von Goethe ganz normal verwendet werden, als „veraltet“ gekennzeichnet oder gar nicht mehr registriert, obwohl sie, wie wir aus unseren bisherigen Erkundungen wissen, auch von den späteren Romantikern durchaus noch verwendet werden. Daraus folgt, daß der berechtigte Wunsch nach dem authentischen Verständnis unserer Klassiker vom einfachen Leser gar nicht und vom Fachmann nur unter großen Mühen zu verwirklichen ist, da die bisherige Wissenschaftsentwicklung die systematische Erschließung des Klassikerwortschatzes unter dem Gesichtspunkt des damals gültigen Verständnisses nicht ergeben hat.


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»Klassikerwörterbuch« und Stellenkommentar

Bei aller geäußerten Kritik an den Kommentaren kann und soll ein Wörterbuch, das den Wortschatz einer Epoche erläutert, nicht den Stellenkommentar der Einzelwerke ersetzen oder gar übertrumpfen. Wo letzterer das besondere einer Stelle auch in Bezug auf das Gesamtwerk eines Autors in den Vordergrund stellen muß, bleibt das Wörterbuch allgemein und versucht, die Grundbedeutung(en) eines Wortes herauszuarbeiten, aus denen mögliche autorspezifische Bedeutungsvarianten abgeleitet werden können. Das Wörterbuch soll existierende Stellenkommentare also an wichtigen Stellen ergänzen und künftigen Kommentatoren und heutigen Lesern schnell und kompakt die Hinweise geben, die sie brauchen, um einen Klassikertext angemessen verstehen zu können.

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Das Arbeitsverfahren beim »Projekt Klassikerwortschatz«

Abgeschlossene Arbeitsschritte

  1. Auswertung der bisherigen Ergebnisse der einschlägigen Wortschatzuntersuchungen und deren computergestützte Aufbereitung als „Rohwörterbuch“ (über 2500 Lemmata mit Stellenbelegen), das auch als Anhaltspunkt für die Recherchen im ermittelten Textkorpus dient.
  2. Erfassung projektrelevanter zeitgenössischer Wörterbücher (18. und 19. Jahrhundert) in einer laufend erweiterten „lexikographischen Datenbank“. Eine vorläufige Liste wird demnächst online verfügbar sein.
  3. Sichtung und Erfassung von e-Texten deutscher Dichtung zur Erstellung eines umfassenden Textarchivs als Grundlage für schnelle Einzelwortrecherchen über die Wörterbücher hinaus.
  4. Stichprobenartige Überprüfung der Erklärungsbedürftigkeit von Klassikertexten mit Studenten und Schülern.
  5. Im Fortgang des Projektes ist eine starke Verschränkung zwischen Aufbau des Wörterbuchs und der universitärer Lehre, auch in Kooperation mit anderen Hochschulen, vorgesehen.
  6. Bestimmung des Textkorpus der Klassikerschriften, die vollständig erfaßt werden sollen. Diese Textgruppe wurde als „Freiburger Klassikerkorpus“ aus dem weit größeren elektronischen Textpool herausgelöst. Die übrigen Texte bleiben weiterhin für die lexikographische Recherche nutzbar; dies ist vor allem bei der Analyse geringfügig belegter Wörter hilfreich.
  7. Bestimmung der erklärungsbedürftigen Wörter durch zwei Lesegruppen (Laien und Literaturwissenschaftler) mit ausgearbeiteter Lektüre- und Arbeitsanleitung.
  8. Redaktionelle Sichtung, Bearbeitung und Homogenisierung der eingegangenen Meldungen und Kennzeichnungen.
  9. Computergestützte Aufbereitung des gesamten Materials, das
  10. auch online abfragbar sein soll. Die Internetschnittstelle des Projektes soll dabei zu einem Ausgangspunkt für die elektronisch gestützte Literaturwissenschaft und Wortforschung aufgebaut werden.
  11. Entwicklung von Artikelstrukturen für das Klassikerwörterbuch und seine verschiedenen Artikeltypen. Um einen einheitlichen Aufbau der Wortartikel im ganzen Werk zu gewährleisten und zudem eine sichere Grundlage für die Entwicklung eines elektronischen Redaktionssystems zu haben, wurden zeitgleich mit den ersten Probeartikeln zu einigen Verben, Substantiven (Konkreta und Abstrakta), Adjektiven, Interjektionen und idiomatischen Wendungen Artikelstrukturen entworfen, die sämtliche vorgesehene Artikelbausteine enthielten.
    Allgemeines Mikrostrukturbild für gemischt erweiterte integrierte Mikrostrukturen für als n- fach polysem interpretierte Lemmazeichen
  12. Erarbeitung einer 150-seitigen Arbeitsanweisung, die der Artikelarbeit zugrundeliegt.
  13. Verfassen einer Einleitung mit Benutzungshinweisen.
  14. Aufteilung der Stichwortkandidaten auf die Mitarbeiter nach 22 Sachbereichen. Auf diese Weise kann jeder Mitarbeiter auf jeweils 3 oder 4 Gebieten spezielles Fachwissen erwerben, wodurch eine gleichmäßig kompetente und auch formal gleichartige Erklärung zusammengehöriger Wortgruppen gewährleistet ist. Dabei wurde darauf geachtet, die Sachgruppen einerseits nicht zu groß werden zu lassen und sie andererseits nicht allzu sehr zu differenzieren, damit der Bearbeiter sowohl den Überblick über seine Sachgruppen als auch den Überblick über seine Wörter behalten kann.
  15. Erfassung orthographischer Varianzen des 18. und 19. Jahrhunderts
    Die Wortschreibung war im 18. und 19. Jahrhundert bei weitem nicht so stark festgelegt wie heute. Allgemein verbindliche oder gar „amtliche" Orthographieregelungen gab es nicht. Das bedeutet, dass die Wortschreibung im Belegzeitraum des Klassikerwörterbuchs zum Teil erheblich variieren konnte (z. B. „Melodey" - „Melodei"). Um bei der Wortsuche in den elektronischen Texten des Freiburger Klassikerkorpus eine möglichst vollständige Trefferzahl zu erzielen, wurden für die Zeit des 18. und 19. Jahrhunderts spezifische orthographische Varianzen systematisch erfaßt. Die so entstandene Zusammenstellung ermöglicht das Auffinden von zunächst vielleicht nicht unbedingt naheliegenden Schreibvarianten im Rahmen der Wörterbucharbeit. Bei der Eingabe von „Brunnen" findet man so auch „Bronn" und „Born", bei „gibt" auch „giebt", bei „genug" auch „genung" usw.
  16. Die neuen, elektronischen Möglichkeiten lexikographischen Arbeitens haben ebenso wie die zunehmende Nachfrage nach medienübergreifenden Publikationen die digitale Erarbeitung des Klassikerwörterbuchs ebenso möglich wie unumgänglich gemacht. Die Artikelstrukturen wurden daher zur Grundlage der Entwicklung eines datenbankgestützten Redaktionssystems mit einer Benutzerschnittstelle für die rechnergestützte Artikelerstellung, das von den Mitarbeitern des Klassikerwörterbuchs in Erinnerung an den lange in Freiburg tätigen Linguisten und Lexikographen Hermann Paul „Paula" getauft wurde.
    „Paula" beruht auf einer relationalen Datenbank, in der alle bis dahin zusammengetragenen Daten, darunter in erster Linie die Korpustexte (mit entsprechenden Recherchemöglichkeiten unter Beachtung der zeittypischen orthographischen Varianten), zusammengeführt wurden, verbunden mit einer Datenbank zur Artikelerstellung mit intelligenten und umfassenden Fehlerkontrollen und interaktivem Hilfesystem zur Unterstützung der Bearbeiter bei der Eingabe, verwaltet werden können. Diese ist über eine Benutzerschnittstelle für die Eingabe lexikographischer Daten (Eingabemaske) im LAN und über das Internet, aber auch offline (mit automatischem Datenabgleich) zugänglich.
    Das System ist so eingerichtet, daß es eine Schnittstelle zur Ausgabe der lexikographischen Daten für den Druck mit einer Lichtsatzmaschine, auf CD-ROM und im Internet ermöglicht (Exportmöglichkeit in XML). „Paula" ermöglicht eine vollständig rechnergestützte Erstellung von Wörterbuchartikeln. Über die Benutzerschnittstelle trägt der Bearbeiter seine Texte in die Datenbank ein. Diese erleichtert es dann vor allem, die zeitraubenden Probleme in den Bereichen Layout und Zeichensetzung zu lösen: Durch eine standardisierte und differenzierte Auszeichnung der lexikographischen Daten ist es möglich, dass die Festlegung des letztgültigen Erscheinungsbildes des Klassikerwörterbuchs im Druck erst kurz vor der Drucklegung erfolgen kann. Einige Abbildungen der Eintragsmasken finden Sie hier.
    Die ununterbrochene und vollständige Kontrolle über die Konsistenz sämtlicher Datenbestände ermöglicht zudem eine erhebliche Zeitersparnis bei der Recherche sowie bei der Erstellung und Korrektur der Wortartikel und bei der Vorbereitung ihrer medienübergreifenden Publikation.

Weitere Arbeitsschritte

  1. Erarbeitung der zunächst vorgesehenen ca. 8000 Wortartikel.
  2. Weiterer Ausbau des elektronischen Redaktionssystems:
    Dies betrifft vor allem die direkte Übertragung der Zitate aus der Textdatenbank in die Wortartikel und ihre automatische Auszeichnung mit den entsprechenden Belegstellenkürzeln (bestehend aus Autorangabe und Quellenangabe).
  3. Digitalisierung der lexikalischen Kommentare aus den kommentierten Werkausgaben.

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Die auszuwertenden Texte

Alle im 18. und 19. Jahrhundert erschienenen Texte sind inzwischen historisch und deshalb erklärungsbedürftig. Da aber niemand das ganze Schrifttum dieser Zeit sichten oder gar erläutern kann, ist eine begründete Auswahl unumgänglich. Worte wie „klassisch“ oder „Klassiker“ scheinen eine Begründung für eine solche Auswahl zu liefern. Wie die Reaktion auf die just zum Zeitpunkt unserer Korpuszusammenstellung wieder von der Wochenzeitschrift DIE ZEIT initiierte „Kanondiskussion“ aber gezeigt hat, ist eine an qualitativ-inhaltlichen Kriterien orientierte Debatte über die klassischen und damit grundlegenden Werke der deutschen Literatur ebenso reizvoll wie endlos.

Tatsächlich macht ein Wörterbuch über Texte, die nur wenigen Fachleuten lieb und teuer sind, unabhängig von ihrer literarischen Qualität oder zeitgenössischen Bedeutung wenig Sinn. Für ein an den Bedürfnissen der Klassiker-„Konsumenten“ orientiertes Wörterbuch kann dessen Textkorpus nur anhand der heutigen Rezeption der Werke gebildet werden. Als ein immer noch sicherer Maßstab für die „Gängigkeit“ literarischer Texte haben sich die Lektürepläne der Kultusministerien für das Fach Deutsch und die in den letzten Jahren wieder häufiger gewordenen Leselisten für das universitäre Germanistikstudium erwiesen. Die in der alljährlich erscheinenden »Werkstatistik des Deutschen Bühnenvereins« veröffentlichten Besucherzahlen und die Klassikerprogramme bei den Publikumsverlagen haben diesen Schul- und Universitätskanon bestätigt. Das Ergebnis unserer Auswertung sowie deren Quellen erfahren Sie hier.

Das Projekt hat den Wortschatz des so ermittelten Textkorpus mit allen vom heutigen Gebrauch abweichenden (historisch gewordenen) Bedeutungen - soweit möglich - vollständig erfaßt. Für das Wörterbuch ist es allerdings notwenig, eine begründete Auswahl zu treffen. Natürlich wird damit aber auch der erklärungsbedürftige Wortschatz anderer Werke dieses Zeitraums weitgehend erfaßt, so daß das Wörterbuch auch für deren Lektüre sinnvoll genutzt werden kann.

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Der Klassikerwortschatz in der universitären Lehre

Das Klassikerwörterbuch richtet sich ausdrücklich nicht nur an Schüler und Studenten. Vielmehr wird eine breit gefächerte Benutzergruppe angesprochen. Dies ist schon durch die sehr heterogene Zusammenstellung der beiden Lesegruppen (Laien und Literaturwissenschaftler) gewährleistet. Für Lernende ergeben sich jedoch besondere Probleme bei der Klassikerlektüre, die nicht unterschätzt werden dürfen. Aus der simplen, aber offensichtlich nicht selbstverständlichen Feststellung, daß diese Texte aufgrund des Sprachwandels nicht einfach zu verstehen sind, erlangen sie eine ganz neue Dimension: Sie verlieren ihre in der geistesgeschichtlichen Tradition verankerte Monumentalität und werden als Gegenstand eigener Frageinteressen wieder zugänglich, vor allem wenn sich die herkömmlichen Hilfsmittel relativ schnell als ungenügend erweisen. Die Erprobung dieses Lektüreansatzes in der universitären Lehre hat sich als äußerst erfolgreich erwiesen. Statt sich beim Literaturverständnis auf lückenhafte Kommentare und das sprachliche Alltagsverständnis zu verlassen, wurden die Studenten aufgefordert, nach den historischen Wurzeln des Wortgebrauchs in den klassischen Texten zu „fahnden“. Die damit verbundenen überraschenden und erhellenden „Aha-Erlebnisse“ bedeuten für Studierende - und Lehrende - eine völlig neuartige Motivation im Umgang mit diesen Texten. Diese Entdeckerfreude hat sich inzwischen in über 50 Stichprobenstudien an ausgewählten Werken des 18. und beginnenden 19. Jahrhunderts (darunter mehrere Magisterarbeiten) manifestiert.

Im Fortgang und der Weiterentwicklung des »Projektes Klassikerwortschatz« sind die Studierenden an die Nutzung der im Rahmen des Projektes entwickelten und anderer Hilfsmittel herangeführt worden. Eine Kooporation mit Lehrenden und Studierenden anderer Universitäten wird im Rahmen der Entwicklung der infrastrukturellen Möglichkeiten angestrebt.

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Der Klassikerwortschatz im Computerzeitalter

Die Grundlage der historischen Wortforschung war bisher die einzelne, vorrangig durch Fleiß und Zufall ermittelte Fundstelle. Als zusätzliche Hilfsmittel dienten die großen Wörterbücher des Deutschen. Jetzt bietet die Computertechnologie die revolutionär zu nennende Möglichkeit, elektronisch lesbare Texte jederzeit vollständig nach bestimmten Wörtern durchsuchen zu lassen, so daß die durch herkömmliche Lektüre an einzelnen Stellen gewonnenen Bedeutungen sogleich an einem elektronischen Vergleichskorpus überprüft und gewichtet werden können. Es wurden deshalb im Rahmen des »Projekts Klassikerwortschatz« einschlägige e-Texte (elektronisch erfaßte Texte) gesichtet und gesammelt, um so eine abfragbare Datenbasis zu erhalten, die weit über das vom Wörterbuch vollständig erfaßte Textkorpus hinausgehen wird. Damit die zur Zeit elektronisch verfügbaren Texte wissenschaftlich nutzbar (d.h. vorrangig zitierbar bzw. auf gedruckte Ausgaben beziehbar) werden konnten, waren folgende Arbeitsschritte nötig:

  1. Die philologisch begründete Bestimmung der für das Wörterbuch maßgeblichen Textversion (z. B. die Entscheidung zwischen Erstausgabe und Ausgabe letzter Hand): Hierfür wurde die Überlieferungs- und Editionsgeschichte der Korpustexte nachvollzogen und die in deren Verlauf entstandenen Textfassungen nach der philologischen Verläßlichkeit des Textes und seiner Verfügbarkeit für den heutigen Leser gewichtet.
  2. Die Auswahl einer digitalen Fassung dieser Version (E-Text) aus elektronischen Textarchiven bei gleichzeitiger Bestimmung einer entsprechenden gedruckten Referenzausgabe. Ziel war es, den philologisch „besten" Text zu bestimmen, der jedem Leser (also nicht nur dem spezialisierten Wissenschaftler) leicht zugänglich ist. Die Wahl fiel damit oft auf die Ausgaben des Verlags Philipp Reclam jun.
  3. Die Prüfung der E-Texte hinsichtlich ihrer Qualität im Vergleich mit den gedruckten Referenzausgaben, so daß diese die gleiche Textsicherheit bieten. So wurde die Rückbindung des E-Text-Archivs an die gedruckten Ausgaben gewährleistet.
  4. Aus dem gleichen Grund wurden die E-Texte mit Informationen zur Textdarbietung in der gedruckten Ausgabe (suprasegmentale Merkmale wie Seitenumbrüche, Verszählungen, Hervorhebungen, Kapiteleinteilungen usw.) in einem systemunabhängigen Format (SGML-kompatibel) ausgezeichnet. Das so erstellte digitale „Freiburger Klassikerkorpus" bildete als Textdatenbank die Arbeitsgrundlage für das eigens entwickelte lexikographische Redaktionssystem .

Ein Projekt, wie das hier vorgestellte, kann sich also nicht mehr allein auf das Medium Buch als Arbeits- und Verbreitungsgrundlage stützen, sondern es muß sowohl die Möglichkeiten der elektronischen Erfassung und Verarbeitung von Texten als auch die Kommunikationswege der neuen Medien (WWW, E-Mail) fruchtbar nutzen. Unser Ziel ist deshalb nicht allein ein Wörterbuch, sondern die Internetschnittstelle des Projektes, an der Sie sich gerade befinden, soll ein integraler Bestandteil des Forschungsunternehmens »Klassikerwortschatz« werden. Alle Inhalte, die das gedruckte »Klassikerwörterbuch« einmal enthalten wird, sollen medienspezifisch (z.B. durch eine Datenbank) aufbereitet und über das Internet abgefragt werden können.

Die vielleicht wichtigste Rolle kommt dem Internet bei der Kommunikation zwischen den Machern und den Nutzern des »Klassikerwörterbuches« zu. Nutzen Sie unser Angebot und schreiben Sie uns ihre Erwartungen und Anregungen zu unserem Projekt. Auch können Sie auf verschiedene Weise zum Gelingen des Projektes beitragen.

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Beispielartikel

An dieser Stelle finden Sie einige Beispielartikel, die ihnen einen ersten Eindruck vom Aussehen des Klassikerwörterbuchs vermitteln sollen. Das endgültige Layout ist allerdings noch nicht festgelegt, entsprechend sehen auch nicht alle Beispielartikel gleich aus. Dies betrifft unter anderem die Auszeichnung von Objektsprache, die zum Teil ungleichmäßig ist, zum Teil aufgrund der Auszeichnungsmodalitäten im Redaktionssytem bei dieser Form der Ausgabe nicht abgebildet wird.

Artikel "bewußtlos"
Artikel "blöde"
Artikel "Kunst"
Artikel "Saunett"
Artikel "topp"


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http://www.klassikerwortschatz.uni-freiburg.de/klasswb/Beschrb.htm
Zuerst erstellt am 15. Oktober 1997.
Letzte Änderung am 23. Oktober 2002 von Michael Mühlenhort.